01.10.2013
WK

"Zivilcourage und Mut"

„Zivilcourage und Mut“

Prof. Rosenberg-Band berichtet auf Einladung von MdB Stracke über Emilie und Oskar Schindler

Kaufbeuren – Kaufbeuren sei eine Stadt der Vielfalt. „Eine Stadt in der viele verschiedene Nationen friedlich und freundschaftlich zusammenleben“, so CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke. Dies sei allerdings nur durch das „großartige bürgerschaftliche Engagement“ leistbar sowie durch die vielfältigen präventiven Angebote der Stadt. Kaufbeuren und seine Bürger schauen hin und stehen füreinander ein. So müsse es in ganz Deutschland sein, betonte Stracke, der stellvertretender Vorsitzender des Untersuchungsausschusses „Terrorgruppe nationalsozialistischer Untergrund“ ist.

Gerade die zehn brutalen Morde dieser Terrorgruppe haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass „unsere Sicherheitsbehörden eng miteinander verknüpft sind und zusammenarbeiten“, so Stracke. Es sei wichtig, dass man bei Ermittlungen offen für alle Ermittlungsrichtungen sei. Prinzipiell stehe für den Bundespolitiker fest: „Wir können unglaublich viel bewegen – vor allem gemeinsam. Wir müssen aber auch den Mut beweisen, hinzusehen und füreinander einzustehen.“ Das Ehepaar Emilie und Oskar Schindler, bekannt aus Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ habe hingeschaut. „Sie haben Zivilcourage und Mut bewiesen“, so Stracke. Auf besondere Einladung des hiesigen Bundespolitikers sprach daher kürzlich in Kaufbeuren die Biografin des Schindler Ehepaars, Professorin Erika Rosenberg-Band, die derzeit in Deutschland auf Lesereise ist, zu „Zivilcourage und Mut“.

Im Talmud heiße es: „Wer ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt“, so Rosenberg-Band einleitend. 2.000 Tage lang habe das Ehepaar alles geopfert, um „1.200 Menschen vor dem Tod zu retten“, führte die Biografin aus. Im Jahr 1999 habe Rosenberg-Band, die mit ihrem Ehemann in Buenos Aires (Argentinien) lebt, Emilie Schindler kennengelernt. „Ihre Geschichte hat mich gleich von Beginn an fasziniert“, so Rosenberg-Band und führte aus: „Das Unfassbare war, Emilie und ihre Geschichte waren völlig vergessen.“

Rosenberg-Band, deren Eltern 1935 vor den Nationalsozialisten nach Argentinien geflohen sind, hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem die Geschichte einer Frau, „die Mut und Zivilcourage bewiesen hat und das zu einer Zeit, in der Frauen nicht viel zu sagen hatten“, vor dem Vergessen zu bewahren. „Emilie war eine solch tapfere Frau, die den Mut hatte, ihre Stimme zu erheben“, so Rosenberg-Band.

Oskar Schindler war ein Frauenheld. Er lebte von dem Geld seiner Ehefrau und ging zunächst keinem wirklichen Beruf nach. 1935 trat Schindler in die Dienste des militärischen Geheimdienstes der Wehrmacht unter Admiral Canaris ein. Diese Kontakte halfen ihm und seiner Frau später dabei, Menschenleben zu retten. 1939 übernahm Schindler schließlich eine stillgelegte Emaillewarenfabrik, in der bis zur Schließung Juden aus dem Krakauer Ghetto sowie dem Arbeitslager Plaszow beschäftig waren. Das Ehepaar Schindler tat alles dafür, um die Arbeitsbedingungen in der Fabrik zu verbessern. Es wurde für eine medizinische Versorgung und für Lebensmittel gesorgt. Als sehr beschämend und traurig empfindet es die Biografin Rosenberg-Band, dass Emilie Schindler im Film „Schindlers Liste“ nur sehr oberflächlich und als betrogene Ehefrau dargestellt wird. „Sie war so stark und tapfer“, betonte die Biografin.

Als es zur Schließung der Emaillefabrik kam, entstand die weltberühmte Liste. „Die meisten Berufsangaben sowie die Altersangaben auf dieser Liste sind gefälscht“, strich Rosenberg-Band heraus. Und dies sei die Rettung der rund 1.000 Juden gewesen. Durch diese Fälschung wurden Kinder, die eigentlich zu jung waren, um arbeiten zu dürfen, vor dem Tod bewahrt, genauso wie Akademiker. Aus ihnen wurden Handwerker, die als „kriegswichtig“ galten. Emilie Schindler nahm zusätzlich halb verhungerte Juden aus dem Lager Golleschau auf. Nach heutiger Zeit hat das Ehepaar für die Rettung dieser Menschen ihr ganzes Vermögen in Höhe von zirka 26 Millionen Euro ausgegeben. Die Biografin des Ehepaares Schindler, die Oskar Schindler nicht mehr persönlich kennengelernt hat, habe Emilie Schindler einmal gefragt, warum sie dies alles getan habe. „Ich musste dies einfach tun“, lautete die simple Antwort Emilie Schindlers. Nach Ende des Krieges hatte das Ehepaar Schindler kein Geld mehr. Es zog nach Argentinien und Oskar Schindler kehrte ohne Emilie nach Deutschland nach einigen Jahren zurück. Emilie reiste erst viele Jahre später mit Erika Rosenberg-Band nach Deutschland. „In ihrer geliebten Heimat – in Deutschland“ ist Emilie Schindler schließlich auch begraben.

„In ihren Büchern wird die Geschichte des Ehepaares Schindlers lebendig. Ihre Bücher sind ein Appell an die Menschen auch in unserer Zeit Zivilcourage und Mut zu beweisen“, strich Stracke heraus und führte abschließend aus: „Sie bewahren die Erinnerung an zwei Menschen - zwei Vorbilder -, die ihre Leben gefährdet haben, um andere zu retten.“

Prof. Erika Rosenberg-Band und MdB Stephan Stracke.

Prof. Erika Rosenberg-Band und MdB Stephan Stracke.