13.11.2012
WK

„Es wird nur derjenige gehört, der sich äußert“ Rollentausch: MdB Stracke zu Gast bei Regens Wagner in Lautrach

Lautrach – „Die Aktion Rollentausch öffnet den Blick und bietet mir die Möglichkeit ein soziales Unternehmen kennenzulernen“, hob CSU-Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke bei Regens Wagner in Lautrach hervor. Einen Tag lang blickte das Mitglied des Ausschusses für Gesundheit hinter die Kulissen der Einrichtung und erhielt unter anderem einen sehr intensiven Einblick in die Gruppe „Anna“ der Förderstätte. 

In der Förderstätte wird erwachsenen Menschen mit seelischer, geistiger und mehrfacher Behinderung ein Arbeits- und Beschäftigungsangebot gemacht. In die Gruppe „Anna“ gehen acht Bewohner, die von Fachkräften und einer Betreuungshelferin (Teilzeitkräfte) begleitet werden. Werktags geht es nach dem Frühstück gegen 8 Uhr in der Förderstätte los. Jeden Tag wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt. Einen Tag steht das gemeinsame Kochen im Mittelpunkt, den anderen Tag wird die Tageszeitung gelesen und über Artikel gesprochen. An anderen Tagen steht Bewegung oder Kunst im Vordergrund. Am Besuchstag von Stracke wurde unter anderem gemeinsam gewerkelt. „Du musst die Holzstückchen in den Behälter stecken“, erklärte Edeltraud dem Bundespolitiker. Dieser bewies beim gemeinsamen Herstellen von Ofenanzündern Fingerfertigkeit. Für die praktischen Ofenanzünder werden Holzstückchen gespalten und mit einem Docht zu runden Bündeln zusammengefasst. Diese werden auch in den Werkstätten von Regens Wagner für den Verkauf hergestellt. In den Werkstätten arbeiten derzeit 140 Menschen mit Behinderungen der verschiedensten Art. „Gerne können sich Unternehmer an uns wenden, die beispielsweise ein besonderes Geschenk zur Weihnachtszeit für ihre Kunden und Geschäftspartner suchen“, macht Christian Konrad, Förderstättenleiter, auf die Arbeit der Regens Wagner-Werkstätten aufmerksam. Interessierte können sich bei Konrad unter Tel. 08394/189240 melden.

Im Anschluss ans Werkeln trainierte Stracke mit zwei Gruppenmitgliedern das Gedächtnis. Dabei musste sich die jeweilige Person drei Wörter oder drei Bilder merken und wurde nach einer kurzen Ablenkung noch einmal nach den Wörtern oder Bildern gefragt.

380 Mitarbeiter sind bei Regens Wagner in Lautrach, Memmingen und Mindelheim für die rund 260 Bewohner da. „Die Mitarbeiter stammen hauptsächlich aus der direkten Umgebung“, so Beppo Haller, Leiter von Regens Wagner Lautrach, und führt aus: „Regens Wagner ist für Menschen mit Behinderung da. Dabei machen die psychischen Behinderungen bei uns über 50 Prozent aus.“ Bestimmendes Thema sei derzeitdie Inklusion. „Selbstbestimmung und Teilhabe ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit“, verdeutlicht Konrad. Aus diesem Wunsch heraus habe sich auch innerhalb der Bewohner die Gruppe „STARK“ gegründet. Diese Gruppe setze sich innerhalb, aber auch außerhalb des Hauses für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein. Die Gruppe habe beispielsweise einen innerhäuslichen Fragebogen entwickelt, den die Bewohner, die neu einziehen, nach einem Monat erhalten. „Wir wollen damit herausfinden, was wir noch besser machen können“, verdeutlichte ein Gruppenmitglied im Gespräch mit Bundespolitiker Stracke. Was die Politik für mehr Teilhabe von Menschen mit Behinderung tue, wollte die Gruppe „STARK“ wissen. Nicht nur die Unterzeichnung der UN-Charta sei ein wichtiges Signal gewesen, sondern in Deutschland werde sich auch dem Thema Inklusion verstärkt angenommen, so Stracke. „Ich verstehe den Einsatz der Politik auch als Ermutigung dazu, Barrieren in den Köpfen der Menschen abzubauen“, hob Stracke hervor. Barrieren gebe es jedoch nicht nur bei Bürgersteigen oder im Kopf, sondern auch bei der Sprache, so die Gruppe „STARK“. Viele Formulare seien einfach zu unverständlich formuliert. „Diesen Punkt werden wir für uns hausintern aufgreifen. Denn bestimmt können wir da schon einiges bei unseren Aushängen tun“, betonte Haller. „Es wird nur derjenige gehört, der sich äußert“, ermutigte Stracke die Gruppenmitglieder ihre Arbeit für mehr Akzeptanz, Teilhabe und Selbstbestimmung innerhalb der Gesellschaft weiter auszubauen.
Stephan Stracke und die Bewohnerin Edeltraud beim Herstellen von Ofenanzündern

Stephan Stracke und die Bewohnerin Edeltraud beim Herstellen von Ofenanzündern