13.11.2012
WK

Bedürfnisse und Alltag kennenlernen Perspektivenwechsel: MdB Stracke zu Gast im Wohnheim der Lebenshilfe in Marktoberdorf

Marktoberdorf – „Komm mit. Ich zeig dir meine Eisenbahn“, fordert Reinhard Frank den CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke auf. Vorsichtig holt Frank eine Sperrholzplatte unter dem Bett hervor, auf der die Eisenbahnschienen verlegt sind. Viel Liebe zum Detail und noch mehr Zeit hat Frank in seine Modelleisenbahn gesteckt. Die Zugstrecke ist umsäumt von Bäumen, Häusern und auch Tunnel müssen die Eisenbahnen durchqueren. Frank erläutert dem Bundespolitiker die einzelnen Modelle der Züge und tauscht sich über Kindheitserinnerungen aus. „Als Kind hatte mein Bruder auch eine solch tolle Modelleisenbahn“, erinnert sich Stracke. Einen Nachmittag lang erlebte das Mitglied des Ausschusses für Gesundheit des Deutschen Bundestages den Alltag der Bewohner des Wohnbereichs der Lebenshilfe Ostallgäu e.V. in Marktoberdorf mit und nahm auf Einladung der Lebenshilfe an der bundesweiten Aktion „Rollentausch“ teil.

„Der Perspektivenwechsel ist für mich unheimlich wichtig. Dadurch erhalte ich viele Hintergrundinformationen, die mir auch bei meiner Arbeit im Gesundheitsausschuss helfen“, hebt Stracke hervor und führt aus: „Ich lerne die Bedürfnisse der betreuten Menschen, aber auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen und erfahre aus erster Hand, wo die konkreten Herausforderungen liegen.“ Diese sieht Heimleiterin Claudia Kintrup derzeit vor allem im Fachkräftemangel, denn diesen „spüren wir schon sehr“. Weniger Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellenangebote als noch vor einigen Jahren würde sie erhalten. Aber auch in Punkto Ausbildung sei es schwierig. „Wir bilden bei uns Heilerziehungspfleger aus“, so Kintrup. Doch auch für die Ausbildungsstellen werde es schwieriger Bewerber zu finden. Wünschen würde sich Kintrup auch, dass sich mehr Männer für den Beruf des Heilerziehungspflegers interessieren würden. „Eine männliche Bezugsperson ist für unsere Bewohner wichtig.“ Das Wohnheim am Mühlsteig 31 in Marktoberdorf bietet 27 Bewohnern, die in drei Wohngemeinschaften zusammenleben, die Möglichkeit ihr Leben „so selbstständig als möglich zu leben“, erläutert Kintrup. In den Wohngruppen leben acht bis zehn Frauen und Männer mit geistigen Behinderungen. Unter der Woche ist der Alltag der Bewohner von in der Früh bis nachmittags um 16 Uhr von der Arbeit in den Wertachtal Werkstätten in Marktoberdorf und Kaufbeuren bestimmt. Nachmittags stehen dann die normalen Dinge des Lebens  wie Arztbesuche, Einkäufe im Supermarkt oder Besorgungen in der Stadt an. Am Wochenende bleibt dann mehr Zeit für eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung mit Wanderungen, Tanzkursen oder Ausflügen.

Beim gemeinsamen Kaffee trinken, tauschte sich Stracke mit den Mitarbeitern und den Bewohnern an dem Nachmittag aus. Familienalben wurden hervorgeholt, über die Arbeit wurde berichtet, aber auch der Besuch bei der Familie am Wochenende war Thema an der Kaffeetafel. Nach dem Vergnügen kam die Arbeit: Tisch abräumen, Spülmaschine ausräumen und das saubere Geschirr wegräumen.  „Hier im Wohnheim der Lebenshilfe ist es wirklich wie bei jedem von uns zu Hause auch. Neben dem beruflichen Alltag muss der Haushalt gemeistert werden“, stellte der Bundespolitiker abschließend fest.

Reinhard Frank und MdB Stephan Stracke

Reinhard Frank und MdB Stephan Stracke