13.01.2016
BT

Viele Fragezeichen bei Reform der Pflegeberufe

Das Bundeskabinett hat heute den Regierungsentwurf des Gesetzes zur Reform der Pflegeberufe beschlossen. Dazu erklären der gesundheits- und pflegepolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Stephan Stracke MdB und der Berichterstatter für Pflegeberufe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Gesundheit, Erich Irlstorfer MdB:

"Mit dem heute von der Bundesregierung beschlossenen Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Pflegeberufe sollen die bisher getrennten Ausbildungssysteme der Alten-, Kranken- und Kinderpflege in eine gemeinsame Ausbildung mit einheitlichem Berufsabschluss zusammengelegt werden. Dadurch sollen die Absolventen zwischen den Pflegebereichen einfacher wechseln können. Das Schulgeld soll gestrichen werden. Neben der Ausbildung zur ,Pflegefachkraft‘ sieht der Entwurf auch eine akademische Ausbildung vor.

Diesen Vorteilen stehen jedoch noch beträchtliche Risiken gegenüber. Es besteht die Gefahr, dass die einheitliche Ausbildung mehr Schaden als Nutzen bringt. Es gibt hier noch viel Klärungsbedarf. Durch die Zusammenlegung der Ausbildungsinhalte wird die Pflegeausbildung komplexer. Es steht zu befürchten, dass Hauptschüler und Berufswiedereinsteiger mit den gestiegenen Anforderungen nicht Schritt halten können und damit weniger Absolventen für eine Tätigkeit in der Altenpflege zur Verfügung stehen. Gleichzeitig droht das Niveau der Ausbildung insbesondere in der Kinderkrankenpflege erheblich zu sinken. Dies kann nicht im Interesse einer qualitativ hochwertigen Versorgung von kranken Kindern sein", sagt Erich Irlstorfer.

"Der Gesetzentwurf ebnet zudem den Weg zur generellen Akademisierung in der Pflege. Das ist der falsche Weg. Wir brauchen vor allem Pflegepersonal, das Dienst am Menschen leistet, nicht am Schreibtisch. Die Reform darf nicht zulasten des ländlichen Raums gehen. Die Ausbildung muss auch weiterhin dezentral und in kleineren Ausbildungseinheiten möglich sein.

Im parlamentarischen Verfahren werden wir die Reform mit ihren Wirkungen sehr genau prüfen. Wesentlich ist dabei für uns, dass vor Verabschiedung des Gesetzes die Rechtsverordnung, die die Ausbildungsinhalte im Detail regelt, soweit konkretisiert ist, dass die Reform als ganzes zustimmungsfähig ist. Alle wesentlichen Inhalte der Alten-, der Kranken- und der Kinderkrankenpflege müssen in der neuen Ausbildung angemessen berücksichtigt sein. Für uns ist klar: Das Gesetz kommt nur dann, wenn die Gewissheit besteht, dass die Pflege insgesamt besser wird und nicht schlechter", unterstreicht Stephan Stracke.