20.08.2014
WK

MdB Stracke absolviert Tagespraktikum als Kaminkehrer

Kaufbeuren – Egal, ob mit einem Küsschen, das Drehen des Knopfes am Gewand des Kaminkehrers oder ein bisschen Ruß auf der Nase: Kaminkehrer bringen Glück. Und dennoch hat dieses Handwerk starke Probleme beim Finden von Nachwuchskräften. Über Glück, Fachkräftemangel und die Arbeit eines Kaminkehrers tauschte sich kürzlich der arbeitspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, Stephan Stracke, MdB, mit Dominik Kohler, Bevollmächtigter Bezirkskaminkehrer und dem Kaminkehrergesellen Benjamin Scharpf aus. Dafür schlüpfte der CSU-Bundestagsabgeordnete für einen Tag in dunkle Kleidung und versuchte sich als Kaminkehrerpraktikant.

Kohler ist erst 25 Jahre alt, aber bereits seit sieben Jahren im Beruf und mittlerweile Bezirkskaminkehrer. Kaminkehrer ist er „mit Herz und Seele“ und kann sich auch keinen anderen Handwerksberuf für sich vorstellen. „In diesem Handwerk wird noch ganz viel Tradition gelebt“, so der 25-Jährige. Dass der Beruf des Kaminkehrers „durchaus sehr belastend und anstrengend ist“, davon überzeugte sich Bundespolitiker Stracke persönlich. In der Metzgerei „Metz“ in Kaufbeuren trat der Abgeordnete sein Tagespraktikum pünktlich um 6.30 Uhr in der Früh an. Die beiden Feueröfen und die Kamine der Räucheranlage der Metzgerei mussten ausgebrannt und somit gesäubert werden. „Sechsmal im Jahr rücken wir an, um die Anlage zu reinigen“, erläutert Scharpf. Die Räucheranlage dient dazu, um verschiedene Wurstwaren zu räuchern und dadurch zu veredeln.

„Das Kaminkehrerhandwerk hat sich von einem traditionellen Handwerksberuf zu einem komplexen und vor allem vielschichtigen Berufsmodell entwickelt. Denn längst zählen nicht mehr nur Leiter und Kehrbesen zum Handwerkszeug, sondern es kommen auch moderne Geräte und Technologien zum Einsatz“, so Stracke und führt aus: „Der Kaminkehrer von heute braucht ein umfassendes Fachwissen in den Bereichen Brandschutz, Umweltschutz und Energieeffizienz.“ Gerade im Bereich der Heizungsanlagen seien die Betreiber auf „unsere Dienstleister in Schwarz“ und ihr unmittelbares Fachwissen aus der alltäglichen Praxis angewiesen, um „jährliche große Mengen an CO2-Ausstoß zu vermeiden“, so der Bundespolitiker. Gerade dies mache den Berufs des Kaminkehrers aber auch so vielfältig und abwechslungsreich, so Stracke. Und dennoch „müssen wir uns einer Nachwuchsproblematik stellen“, so Scharpf und Kohler. „Es ist wichtig, dass wir unser goldenes Handwerk stärken und nicht aus dem Blick verlieren. Denn Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen sind die tragende Säule unseres Landes“, betont der arbeitspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe.

„Sehr gut“ habe sich laut Kohler der Tagespraktikant und Bundespolitiker Stracke geschlagen und „ich würde ihn sofort als Auszubildenden nehmen“. Der Blick hinter die Kulissen des Alltages eines Kaminkehrers hat Stracke „mehr als Spaß gemacht. Es war allerdings auch sehr anstrengend“. Doch die Vielseitigkeit des Berufes begeisterte ihn sehr. „Es ist ein wirklich ehrbarer Handwerksberuf, der viele interessante Facetten zu bieten hat und ich kann mir nur wünschen, dass viele Jugendliche durch beispielsweise ein Schnupperpraktikum in diesen Handwerksberuf einen Einblick suchen und bald selbst den Menschen ein wenig Ruß zum Glück auf die Nase schmieren“, streicht Stracke heraus.

Den Abschluss des Tagespraktikums bildete eine gemeinsame Brotzeit, an der auch weitere Kaminkehrer der Region teilnahmen.

Dominik Kohler (v.li.), Bevollmächtigter Bezirkskaminkehrer, MdB Stephan Stracke und Kaminkehrergesellen Benjamin Scharpf.

Dominik Kohler (v.li.), Bevollmächtigter Bezirkskaminkehrer, MdB Stephan Stracke und Kaminkehrergesellen Benjamin Scharpf.