Zwischen Wahlkreis und Strandurlaub

Allgäu. Einfach mal in der Natur schwitzen. Einfach mal die Ruhe genießen. Was sich Olaf Scholz dachte, als er seinen Sommerurlaub vor zwei Jahren im Allgäu verbracht hat, können wir zwar nur vermuten. Eines ist aber sicher – der damalige Bundeskanzler hat beim Urlaubsort eine gute Wahl getroffen. So viel Meinung sei an dieser Stelle erlaubt. Doch Sozialdemokrat Scholz war nicht der Einzige, der die debattenfreie Zeit in der Region verbracht hat. Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war schon hier.

Derzeit herrscht im Land- und im Bundestag der politische Energiesparmodus. Die Parlamente kühlen sich ab, Sommerpause. Wir haben bei Allgäuer Abgeordneten nachgefragt, wo und wie sie diese sitzungsfreie Zeit verbringen. Nicht mit allen haben wir telefoniert – bei vielen reicht ja heute schon der Blick in die Sozialen Medien. Wir haben Politiker aus dem Land- und Bundestag kontaktiert, die online ihre Urlaubserlebnisse geteilt haben.

Bücher stehen bei Politikern hoch im Kurs. Doch da tauchen bei uns unweigerlich Fragen auf: Was lesen Menschen, deren Beruf die Politik ist? Klatsch- Magazine? Geschichten von Allgäuer Alphirten oder Donald Duck? Das Tagesgeschäft lässt die Abgeordneten offensichtlich nicht einmal am Pool los. Denn genau dort, im klaren Wasser, stehend am Beckenrand, hat der Unterallgäuer Landtagsabgeordnete Peter Wachler (CSU) einen politischen Kriminalroman gelesen. Der Autor ist sein Partei-Kollege Dr. Gerhard Hopp. Der Tatort des Romans: das Maximilianeum in München, der Sitz des Bayerischen Landtags. Wachler verrät mit seinem öffentlich gemachten Bild, er sei „in ein Geflecht aus historischen Geheimnissen und Machtspielen“ eingetaucht.

Zeit am Wasser hat auch der Landtagsabgeordnete Andreas Kaufmann verbracht. Der Ostallgäuer war am Forggensee beim Open Air und hat mit Tausenden Fans zur Musik der Band „Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys“ getanzt. „Ein unvergessliches Erlebnis“ nennt der Christsoziale das in seinem Post: „Ganz viel Gefühl und wilder Schlagerstrudel.“

Urlaub? „Schön wär‘s“, antwortet Mechthilde Wittmann am Telefon, angesprochen auf die Sommerpause. Sie habe kaum Zeit zum Ruhen, sagt die CSU-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Kempten-Oberallgäu-Lindau. Nur fünf Tage habe sie mit ihren Kindern in Frankreich verbracht. „Ich bin ununterbrochen in und mit Berlin beschäftigt“, sagt Wittmann. Davor war sie auf der Allgäuer Festwoche im Einsatz. Jetzt schwitzt Wittmann nicht am Pool, sondern in Verhandlungen. Als Mitglied im Haushaltsausschuss sei sie voll eingespannt. Denn der Haushaltsplan müsse jetzt möglichst bald stehen. Wittmanns Urlaubsmotto: „Keine Woche ohne Berlin.“

Das sei bei ihm nicht der Fall, sagt der Ostallgäuer CSU-Politiker Stephan Stracke. Ihn erwischen wir auf dem Weg zurück vom Wertstoffhof. Er habe durchaus Berlin-freie Zeit gehabt. Auch dank Homeoffice. Jetzt sei der Urlaub fast schon vorbei. Ende der Woche starte eine Klausurtagung. Am 8. September geht es dann mit den Sitzungswochen in der Hauptstadt los. Den Sommer habe er aber gut genutzt: unterwegs im Wahlkreis, zu Besuch bei Bundeswehrstandorten oder im Urlaub mit der Familie. Bei der Wahl des Freienziels hat der Ostallgäuer übrigens eines gemeinsam mit Mechthilde Wittmann: Auch für die Strackes ging es nach Frankreich – in den Campingurlaub.