„Wir wurden völlig ignoriert“

Die Gemeinde Friesenried wird ein wichtiger Teil der deutschen Verteidigung, sogar der Nato-Luftverteidigung. Mit Arrow wird ein Raketen-Abwehrsystem in der 1500-Einwohner-Gemeinde installiert. Welches Gefühl löst das bei Ihnen aus?

Bernhard Huber: Wir nehmen eine zentrale Position in der Landes- und Bündnisverteidigung ein, ja. Aber geehrt oder wichtig fühle ich mich deshalb nicht. Ich empfinde auch keinen Stolz.

Hätten Sie sich gewünscht, dass eine andere Gemeinde Bayerns für Arrow auserwählt wird?

Huber: Das wünscht man niemandem. Und ich bin auch kein Freund des Sankt-Florian-Prinzips: Verschone mein Haus, zünde ein anderes an. Es wäre schön gewesen, wenn das Arrow-Radar auf einem bestehenden Bundeswehrstandort errichtet worden wäre, wo es dann keinen Eingriff in Natur und Infrastruktur hätte geben müssen.

Nach Angaben der Bundeswehr hat sie ihre eigenen Standorte überprüft. Auch den Kaufbeurer Fliegerhorst. Dort hätte das Radar aber wegen der geringen Höhe nicht funktioniert. So ist die Entscheidung für Friesenried gefallen. Verstehen Sie, dass die Bundeswehr aufgrund der globalen Bedrohung schnell handeln muss und dabei nicht allzu viel Rücksicht auf die Belange einer Gemeinde nimmt?

Huber: Ich habe hier schon auch grundsätzlich Verständnis. Auch als Bürgermeister muss ich manchmal unpopuläre Entscheidungen treffen. Etwa bei der anstehenden Sanierung der Kläranlage: Da kommen auch Mehrkosten auf die Bewohner zu. Da schreit keiner Hurra, aber es muss halt sein. Die Bundeswehr ist einige Ebenen weiter oben angesiedelt. Auch sie muss Entscheidungen gegen Widerstand durchsetzen. Ob Friesenried jetzt wirklich der einzige geeignete Standort in Süddeutschland ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ich glaube nicht, dass wir leichtfertig ausgesucht wurden – die Kriterien müssen stimmen, sonst ergibt der Standort keinen Sinn. Und ich glaube der Bundeswehr auch, dass zuerst ihre eigenen Standorte geprüft wurden. Alles andere ist Spekulation. Wir müssen also wohl zähneknirschend akzeptieren, dass wir ausgewählt worden sind.