Die CSU in der „Findungsphase“

Marktoberdorf Lag es am Wahlkampf, am Kandidaten oder an der allgemeinen politischen Gemengelage „Alle gegen die CSU“? Der Rückblick auf die vergangene Kommunalwahl stand im Mittelpunkt der Jahresversammlung des CSU-Ortsverbandes Marktoberdorf im Café Greinwald – sowohl im Bericht des Vorsitzenden Markus Singer als auch in der anschließenden regen Diskussion der anwesenden Parteimitglieder.

Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in Marktoberdorf sei bedauerlich, sagte Singer. Thorsten Krebs habe mit Unterstützung des gesamten Ortsverbandes einen „tollen Wahlkampf gemacht und sich authentisch präsentiert“. Doch die gesamte Gemengelage für die CSU war schwierig, sagte Singer. Sein Fazit zum Wahlkampf: „Wir hätten es nicht besser machen können. Thorsten Krebs war der richtige Kandidat, leider zur falschen Zeit.“ Ein moderner, frischer Wahlkampf mit Zukunftsthemen, gerade für die junge Generation: „Das war mein Angebot“, sagte Krebs zu seiner Kandidatur. Am Ende habe es eben nicht gereicht. Die Partei müsse sich jünger und weiblicher aufstellen, mit weniger Bratwurst, so der Appell von Krebs.

In der Diskussion der Parteimitglieder über den Wahlkampf ging es bis in die Details: So habe etwa die grüne Farbe des Flyers von Krebs viele Anhänger irritiert, monierte Charly Schindele. Im Stadtrat konnte die CSU einen Sitz hinzugewinnen, sagte Fraktionsvorsitzender Andreas Grieser. Hier befinde man sich in einer Findungsphase, nach dem Wechsel des Bürgermeisteramtes zu den Freien Wählern könne die Fraktion im Stadtrat freier und mutiger agieren. Die Anzahl der CSU-Kreisräte aus Marktoberdorf habe sich von zwei auf vier verdoppelt, betonte Thorsten Krebs. Dadurch könne der Einfluss der Kreisstadt im Kreistag gestärkt werden, immerhin zahle Marktoberdorf jährlich rund 25 Millionen Euro an Kreisumlage.

Über die politische Lage in Berlin informierte Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke. Die Bundesregierung starte die nötigen Reformen bei Gesundheit, Rente und Steuern. „Wir fangen jetzt an mit dem, was alle fordern“. Allerdings wünscht sich Stracke eine bessere Kommunikation der Maßnahmen, die Reformen sollten besser als Agenda aus einem Guss dargestellt werden. Kritik aus der Versammlung gab es am „Grünen-Bashing“ des Parteivorsitzenden Söder. Das sei „strategisch falsch“, die Niederlagen der CSU bei den Stichwahlen landauf, landab hätten das gezeigt.