Stracke in Pfronten und Füssen: Fairer Handel gibt Verantwortung ein Gesicht

Pfronten/Füssen/Berlin - Verantwortung für Menschen übernehmen, denen es wirtschaftlich und sozial deutlich schlechter geht als uns: Diese Motivation verbindet die Ehrenamtlichen in den Weltläden Pfronten und Füssen. Im Rahmen seiner von ihm initiierten Weltladen-Tour zur Fairen Woche besuchte der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) beide Einrichtungen und informierte sich über ihre Arbeit, die Geschichten hinter den Produkten und die Idee des Fairen Handels.

Im Weltladen Pfronten tauschte sich Stracke unter anderem mit dem Vereinsvorsitzenden Andreas Carlé und der langjährigen ehrenamtlichen Ladenleiterin Elisabeth Wolf aus. Rund 80 Mitglieder zählt der Verein. Mit dem Verkauf fair gehandelter Waren will er Produzentinnen und Produzenten durch gerechte Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen unterstützen. Die erwirtschafteten Überschüsse fließen zudem in konkrete Hilfsprojekte.

„Uns geht es hier sehr gut, vielen Menschen in anderen Teilen der Welt nicht. Deshalb möchten wir etwas zurückgeben“, erklärte Wolf. Gemeinsam mit Carlé machte sie deutlich, dass diese Motivation das gesamte Team verbinde. „Bei all den Krisen kann man sich schnell ohnmächtig fühlen. Hier erleben wir, dass wir im Kleinen sehr wohl etwas bewirken können - mit fair gehandelten Produkten und mit der Unterstützung konkreter Projekte.“

Stracke zeigte sich beeindruckt von dieser Haltung. „Genau davon lebt der Faire Handel: Menschen schauen nicht weg, sondern fragen, was sie selbst beitragen können. Aus persönlicher Verantwortung wird ganz praktisches Handeln.“

Auch in Füssen stand dieses Engagement im Mittelpunkt. Der Trägerverein Eine Welt Partnerschaft e. V. wurde 1996 gegründet, im Januar 1997 öffnete der Weltladen seine Türen. Damit kann der Laden im kommenden Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern. Heute engagieren sich rund 60 Vereinsmitglieder ehrenamtlich im Weltladen und im benachbarten öko-fairen Modegeschäft "Fair mit Flair", das seit 2017 das Angebot ergänzt.

„Wir wollen zeigen, dass Fairer Handel ganz selbstverständlich zum Alltag gehören kann“, sagte die Vereinsvorsitzende Edith Kaiser. Gerade in Füssen erreiche man durch die vielen Gäste immer wieder Menschen, die erstmals bewusst mit dem Thema in Berührung kämen. Möglich sei dies nur durch das große Engagement des gesamten Teams. „Ich bin sehr froh über unsere vielen Ehrenamtlichen, die sich mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen und gemeinsam dafür sorgen, dass die Idee des Fairen Handels lebendig bleibt.“

Während der Fairen Woche gingen die Füssener deshalb mit einer Verkostung bewusst hinaus in die Fußgängerzone. Stracke half beim Ausschank mit und nutzte die Gelegenheit für zahlreiche Gespräche mit Einheimischen und Gästen. „Neugierig machen, probieren lassen und dann die Geschichte hinter dem Produkt erzählen, so erreicht man Menschen“, freute sich der Abgeordnete.

Eine Füssener Besonderheit ist "Fair mit Flair". Das eigene Modegeschäft zeigt nach Ansicht Kaisers, dass die Fragen des Fairen Handels nicht beim Lebensmittel enden. „Auch bei Kleidung wollen immer mehr Menschen wissen, wo sie herkommt und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde.“ Das Geschäft ergänzt den Weltladen seit 2017 mit öko-fairer Mode.

Für Stracke hat dieser Gedanke eine klare politische und christliche Dimension. „Uns als wohlhabendem Industrieland darf nicht gleichgültig sein, woher unsere Rohstoffe und Waren kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden. Die Würde des Menschen endet nicht an einer Staatsgrenze.“ Der Grundgedanke, Unternehmen für Menschenrechte entlang ihrer Lieferketten in Verantwortung zu nehmen, ist inzwischen sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene gesetzlich verankert; die EU hat ihre Vorgaben 2026 zugleich deutlich auf sehr große Unternehmen konzentriert.

Dass fair gehandelte Waren heute längst auch in Supermärkten zu finden sind, sieht Stracke als Erfolg der jahrzehntelangen Überzeugungsarbeit. „Was einmal in kleinen Eine-Welt-Gruppen begonnen hat, ist in der Mitte des Einzelhandels angekommen. Die Weltläden bleiben trotzdem unverzichtbar, weil hier nicht nur verkauft, sondern erklärt wird, was Fairer Handel für die Menschen konkret bedeutet.“

Zum Abschluss dankte Stracke den Ehrenamtlichen in Pfronten und Füssen für ihren Einsatz. „Weltläden machen sichtbar, worum es hinter allen politischen Debatten eigentlich geht: um Menschen und ihre Chance, von ihrer Arbeit leben zu können. Wer seine Zeit dafür einsetzt, ihnen bessere Perspektiven zu eröffnen, übernimmt Verantwortung weit über den eigenen Alltag hinaus.“