Stracke im Weltladen Kaufbeuren: Fairer Handel macht Verantwortung konkret

Kaufbeuren - Wer hat den Kaffee und den Kakao angebaut, den wir konsumieren? Was kommt bei den Menschen an, die am Anfang einer langen Handelskette stehen? Darüber hat sich der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke (CSU) im Weltladen Kaufbeuren mit Bettina Rhein, ihrer Vorstandskollegin Dr. Isabel Tietze und Christine Pietsch ausgetauscht. Kaufbeuren bildete den Auftakt einer Reihe von Weltladen-Besuchen, die Stracke anlässlich der Fairen Woche in seinem Wahlkreis initiiert hat.

Der Kaufbeurer Weltladen wird vollständig ehrenamtlich geführt und bietet ein breites Sortiment von Lebensmitteln bis zu Kunsthandwerk und Schmuck. Besonders gefragt sind Kakao, Schokolade, Mangos und Kaffee, im Non-Food-Bereich gehört Schmuck zu den Bestsellern. Doch entscheidend ist für die Ehrenamtlichen die Geschichte hinter den Produkten. Sie wissen, woher viele Waren stammen, wie sie hergestellt werden und wer von ihrem Verkauf profitiert. „Das ist die große Stärke der Weltläden. Fairer Handel bekommt hier ein Gesicht“, sagte Stracke. „Ein Stück Schokolade oder eine Tasse Kaffee erzählen plötzlich eine Geschichte. Man versteht, dass unsere Kaufentscheidung etwas mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen viele tausend Kilometer entfernt zu tun hat.“

Im Gespräch ging es deshalb auch darum, was „fair“ konkret bedeutet. Dazu gehören eine angemessene Bezahlung und verlässliche Handelsbeziehungen ebenso wie sichere Arbeitsbedingungen und der Schutz vor Ausbeutung. Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Stellung von Frauen, die in vielen Produktionsländern wirtschaftlich und gesellschaftlich benachteiligt sind. Anerkannte Fair-Handels-Partner setzen deshalb unter anderem auf Gleichbehandlung, Mitbestimmung und bessere Einkommenschancen.

Für Rhein, Tietze und Pietsch liegt darin auch ein wesentlicher Teil ihrer Motivation. Angesichts von Kriegen, Armut und weltweiten Krisen könne der Einzelne schnell das Gefühl bekommen, kaum etwas verändern zu können. Im Weltladen werde dagegen erfahrbar, dass Veränderung im Kleinen beginnen könne, beim bewussten Einkauf, bei der Information über Produktionsbedingungen und bei der Entscheidung, welche Form des Handels man unterstützen möchte.

Stracke griff diesen Gedanken auch politisch auf. „Uns darf es als einem der großen Industrieländer der Welt nicht gleichgültig sein, woher unsere Rohstoffe kommen und unter welchen Bedingungen sie gewonnen und verarbeitet werden“, sagte er. Deutschland habe diesen Grundgedanken im nationalen Lieferkettengesetz mit verbindlichen Regeln für unternehmerische Verantwortung früh aufgegriffen; inzwischen gebe es dafür auch einen europäischen Rahmen. „Dass die Verantwortung für Menschenrechte nicht einfach am Werkstor oder an der Landesgrenze endet, ist ein wichtiger Fortschritt.“

Für den CSU-Abgeordneten hat diese Haltung auch eine christliche Dimension. „Im Mittelpunkt steht die Würde jedes einzelnen Menschen. Wer von seiner Arbeit nicht leben kann, ausgebeutet wird oder keine Chance hat, seine Lebensbedingungen aus eigener Kraft zu verbessern, kann uns nicht gleichgültig sein. Gerade ein wirtschaftlich starkes Land wie Deutschland trägt hier Verantwortung.“

Dass die Idee des Fairen Handels längst über die Weltläden hinaus Wirkung entfaltet, zeigt sich für Stracke auch im Einzelhandel. Fair gehandelte Produkte finden sich heute zunehmend in Supermärkten. „Dass Verbraucher heute viel häufiger die Möglichkeit haben, sich bewusst für solche Produkte zu entscheiden, ist auch ein Erfolg der Menschen, die den Fairen Handel über Jahrzehnte bekannt gemacht haben“, so Stracke. Die Weltläden blieben dabei etwas Besonderes, weil sie nicht nur Produkte verkauften, sondern deren Geschichten vermittelten.

Zum Abschluss dankten Rhein, Tietze und Pietsch Stracke ausdrücklich für sein Interesse und die Zeit für den persönlichen Austausch. Stracke würdigte seinerseits das vollständig ehrenamtliche Engagement des Kaufbeurer Teams: „Wer hier Dienst übernimmt, informiert, einkauft und organisiert, macht globale Verantwortung ganz konkret. Dieses Engagement verdient Anerkennung und es erinnert uns in der Politik daran, dass hinter allen Regeln und Handelsbeziehungen am Ende Menschen stehen.“