Erfahrungsbericht Hildegard Frank USA 2016

Ein Jahr in den USA leben, ein großer Traum, der für mich im August 2015 Wirklichkeit wurde. Das Jahr verläuft definitiv nicht so wie man es sich zu Beginn vorstellt - es ist noch viel besser. Ich würde meine Erfahrungen und Erinnerungen, die ich in den USA gesammelt habe, für nichts in der Welt eintauschen wollen. Natürlich gab es auch schwierige Situation, gerade am Anfang. Doch genau darum geht es in diesem Jahr: über sich hinauswachsen, niemals aufgeben und immer das Beste aus der Situation machen.

Ein halbes Jahr auf ein amerikanisches College gehen, ein halbes Jahr in den USA arbeiten und 40 Stunden Community Service ableisten; drei Aufgaben die ich zu erfüllen hatte um dem Inhalt des Programms gerecht zu werden. Ich, eine 20-jährige, gelernte Einzelhandelskauffrau aus dem Allgäu wollte diese Herausforderungen meistern! Ganz auf mich allein gestellt!

Mit gemischten Gefühlen wagten 74 weitere Teilnehmer mit mir den großen Schritt und betraten das Flugzeug, das uns in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten brachte. Der erste Stopp für uns alle hieß New York City. Eine acht Millionen Metropole! Ganz anderes als ich es gewohnt war. Doch genau aus diesem Grund bin ich in die USA gekommen, um meinen Horizont zu erweitern. Nach dem dreitägigen Seminar und unzähligen, überwältigenden Eindrücken trennten sich die Wege der Teilnehmer und jeder reiste zu seinem endgültigen Platzierungsort. Nachdem wir 20 Stunden mit dem Zug von New York bis Chicago gefahren sind, bekamen wir den ersten Eindruck, wie unglaublich groß dieses Land eigentlich ist. Für mich ging es mit zwei weiteren Leuten vom Programm noch für drei Tage nach Madison, Wisconsin.

Dann ging es für mich endlich zu meinem zugeteilten Platzierungsort und zu meiner Gastfamilie, bei der ich das restliche Jahr verbringen würde. Etwas angespannt, aber voller Vorfreude, stieg ich in den Flieger ein, der mich nach Twin Falls, Idaho brachte. Am Flughafen angekommen fiel mir meine 61-jährige Gastmutter gleich in die Arme. Außerdem empfingen mich mein 61-jähriger Gastvater und mein College-Koordinator. Vom ersten Moment an hat die Harmonie bei uns gestimmt. Nun war ich also in meinem neuen zu Hause, in Twin Falls angekommen. Twin Falls ist eine Stadt mit knapp 50 000 Einwohnern und liegt im Süden Idahos. Die Gegend dort ist sehr trocken und wird als eine Art Wüste eingestuft. Trotzdem ist Landwirtschaft hier ein großes Thema. Riesige Äcker und Felder, die tagtäglich bewässert werden, breiten sich über das weite Land aus. Wer hier eine Landwirtschaft betreiben möchte, sollte mit weniger als 1 000 Kühen gar nicht erst anfangen. In den USA ist eben alles größer, egal ob Autos, Pizzen, Geschäfte oder das Land generell.

Hier war ich nun, 8 000 km von Deutschland entfernt, mit der Herausforderung, mir ein komplett neues Leben aufzubauen. Das heißt, erst einmal musste ein Auto her, um irgendwie von A nach B zu kommen. Glücklicherweise bekam ich Unterstützung von meinem Gastvater, der mich nicht nur beim Autokauf, sondern auch bei der Autoanmeldung, Bankkontoeröffnung, Beantragung einer Social Security Nummer und allgemein bei der Eingewöhnung in meiner neuen Heimat sehr unterstützt hat. Auch meine Gastmutter hat sich sehr bemüht ,mir den Start in dieses Abenteuer so einfach wie möglich zu machen. Ihre gute Küche hat mir auf jeden Fall geholfen, das deutsche Essen immer weniger zu vermissen und somit musste ich mich nicht ständig von Fast Food ernähren. Nicht alle Amerikaner essen ständig Burger.

Mitte August ging dann auch schon das College los. Mit meinem großen Buick fuhr ich meine täglichen sieben Meilen zum CSI (College of Southern Idaho) und lernte alle anderen internationalen Studenten kennen. Wir bekamen eine Führung und konnten unsere Kurse wählen. Von meiner Austauschorganisation Cultural Vistas vorgegeben, belegte ich zwei Business Klassen und entschied mich noch für eine Jazz und eine Englisch Klasse. An einem Community College sind die Klassen meistens nicht größer als 30 Schüler je Raum, trotzdem war es nicht ganz einfach mit anderen Studenten Freundschaften zu schließen. Aus diesem Grund bin ich der Pep-Band und der Symphonic-Band am College beigetreten.

Um mich noch besser zu integrieren, und um die Gemeinde zu unterstützen, habe ich mich um den Hallenfußball am College gekümmert. Jedem Teil- oder Vollzeitstudent war es möglich, unserer zirka 10-köpfigen Fußballgruppe beizutreten oder einfach ab und zu mit uns zu kicken. Es war also eine unverbindliche Angelegenheit. So konnte ich meine 40 Community Service Stunden ableisten, außerdem meiner Leidenschaft für diesen Sport nachkommen und viele Studenten treffen.

Amerikanischer Alltag war eingekehrt, ich hatte Freunde gefunden, mit meinen Gasteltern verstand ich mich nach wie vor einwandfrei, jeden Tag war College und Lernen angesagt und in meiner Freizeit standen kleine Trips auf dem Programm. Doch die Zeit verging wie im Flug, und im Dezember stand ich vor meiner größten Herausforderung, ein bezahltes Praktikum finden. Mit großer Unterstützung meiner Gasteltern und meines College Koordinators bekam ich einen Job an einer Grundschule. Ich war sehr überrascht, dass ich dieses Praktikum ergattern konnte, denn ich hatte keine Vorkenntnisse auf diesem Feld. In den USA gilt, es ist nicht wichtig, was man weiß, sondern, wen man kennt. Zu meinem Glück hatten meine Gasteltern sehr gute Beziehungen. Trotzdem musste ich bei der Bewerbung und der Einstellungsprüfung das Rektorat von meinen Fähigkeiten überzeugen. Meine Arbeit hat mir riesigen Spaß gemacht. Ich habe die Lehrer beim Unterrichten unterstützt und mit den etwas langsameren Kindern in den ersten Klassen zusammengearbeitet. Die letzten drei Wochen gefielen mir am besten. Hier wurde ich in der ESL (Englisch as a Second Language) Klasse eingesetzt. Das heißt ,ich habe mit Kindern anderer Herkunft gearbeitet und konnte zusätzlich einiges über deren Kultur lernen.

Nach diesen sechs Monaten Praktikum, war ein einmonatiger Trip geplant. Der Abschied von meinen Gasteltern und meinen Freunden fiel mir sehr schwer. Weinend stieg ich ins Flugzeug, das mich nach Seattle, Washington brachte. Doch es blieb keine Zeit, um traurig zu sein. In Seattle traf ich mich mit zwei Freundinnen, die auch Teilnehmerinnen des Parlamentarischen Patenschafts-Programms waren. Einen Monat lang reisten wir quer durch die USA. Es war eine tolle Zeit und wieder einmal wurde mir klar, wie riesig die Vereinigten Staaten sind, und doch ist jeder Staat so wahnsinnig anders. Ich denke an keinem anderen Ort der Welt ist es möglich, an einem Tag in der Wüste zum Pokern zu gehen und am nächsten Tag im Atlantik mit Haien zu tauchen, ohne überhaupt das Land zu verlassen. Ich bin unendlich dankbar, dass ich nun ein zweites Zuhause habe und werde mit Sicherheit dort ab und zu mal vorbeischauen, denn nach diesem Jahr hat Entfernung eine ganz andere Bedeutung für mich bekommen.

Hildegard Frank mit ihren amerikanischen Gasteltern.

Hildegard Frank mit ihren amerikanischen Gasteltern.

Erfolgreicher College-Abschluss

Erfolgreicher College-Abschluss

Beim Praktikum in der Grundschule.

Beim Praktikum in der Grundschule.