PPP-Erfahrungsbericht von Amrei Frey 2015

Nach dem Lesen von vier Berichten ehemaliger Austauschschüler und nach ungefähr zwanzig Versuchen diesen Bericht anzufangen, hatte ich immer noch keine Ahnung, was eine gute Einleitung und Hinführung zu meiner Zeit in der USA sein könnte. Wie verfasst man eine Einleitung zu etwas, dass über den eigenen Verstand hinaus geht?

Alles hat Mai 2014 angefangen als meine Mama einen Flyer des PPPs nach Hause gebracht hat und ich mich einfach mal beworben habe. Eigentlich dachte ich, dass ich so ein Stipendium nie bekomme. Doch dann bin ich von einer zur nächsten Runde weiter gekommen bis ich letztendlich im Februar 2015 den Umschlag mit der Bestätigung im Briefkasten und das PPP damit erhalten hatte. Die nächsten Monate waren ein einziges Gefühlschaos. Von völliger Aufregung und Vorfreude nach meinen Vorbereitungstagungen bis hin zu den Ängsten vor dem Unbekannten war alles dabei.

Und dann saß ich auch schon im Flieger in mein neues Leben, der am 27. August abhob.

Meine Gastfamilie wartete am Flughafen gespannt und mit tollen selbst gemachten Willkommens-Postern auf mich und empfing mich unheimlich herzlich. Die ersten paar Wochen waren noch etwas komisch, da alles noch so unvertraut war, aber es wurde jeden Tag besser. Meine Gastfamilie hat mich super aufgenommen und mich überall integriert, wo es ging und mir alles erklärt, was ich nicht verstand oder von dem ich nicht wusste, dass es bei ihnen Routine ist.
Mit meiner amerikanischen Familie bin ich in ein wunderschönes Haus an einem See in einer kleinen Stadt bzw. Dorf umgezogen, ein paar Tage nachdem ich angekommen bin. Ich liebte die Aussicht aus meinem Fenster und ich hätte mir keinen besseren Ort vorstellen können, um mein Auslandsjahr zu verbringen.

Dann fing auch schon bald die Schule an. Meine Highschool hatte rund 2000 Schüler von Jahrgangsstufe neun bis zwölf, mit Unterricht von 7:37 Uhr bis 14:45 Uhr und den gleichen Stunden jeden Tag (also insgesamt nur 6 Fächer pro Semester). Die ersten ein, zwei Monate hatte ich noch Schwierigkeiten mitzuhalten, da die Amerikaner doch schneller sprechen, als ich es vom Englischunterricht in Deutschland gewöhnt war. Vor allem die Witze habe ich nie verstanden!
Ich bekam aber schnell ziemlich gut heraus, im richtigen Moment mitzulachen, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was so witzig gewesen war. Nach und nach wurde ich dann aber immer vertrauter mit all den Fachbegriffen, auch zum Beispiel in Mathe und bei den schnellen Themenwechseln meines Anatomie-Lehrers. Ich lernte wahnsinnig viele Leute kennen (bei denen ich dann auch etwas Probleme mit dem Merken der Namen hatte) und fand auch schnell eine Gruppe von Freunden, mit denen ich den Rest des Jahres immer Mittag gegessen habe.
Normalerweise ging man Freitagabends im Herbst zu Football-Spielen und im Winter zu Basketball-Spielen der Schulmannschaft und dort war dann wirklich die halbe Schule und hat kräftig angefeuert. Man konnte wirklich den so genannten ´School Spirit` spüren und das auch alltäglich, was ich sehr genossen habe. In Highschools wird generell unglaublich viel Sport angeboten, somit hab ich dann im Frühjahr mal etwas Neues (Tennis) ausprobiert. Da hatte ich dann für ca drei Monate fünf Mal die Woche 2 Stunden gleich nach der Schule Training oder manchmal Matches gegen andere Schulen. Es hat mir wirklich richtig viel Spaß gemacht!
Nach und nach habe ich mich immer mehr eingelebt. Mein Alltag bestand aus Schule und verschiedenen Freizeit-Aktivitäten wie Freunde treffen, Geigen, Tennis, Lesen oder mit meinen Gastgeschwistern Karten spielen,… Natürlich waren dann noch die berühmten Highschool Tänze ´Homecoming` und ´Prom`. Zum Homecoming bin ich mit meiner neuen und dann später auch besten Freundin gegangen. Es fand in einer Turnhalle statt, war aber sehr schön geschmückt mit Lichterketten von der Decke und alles. Wir haben viel getanzt und gelacht, auch wenn ich noch nicht so viele Leute kannte zu der Zeit, da das schon Ende Oktober stattfand.

Prom, würde ich sagen, ist noch etwas schicker als Homecoming und man fängt schon Monate davor an, darüber zu reden, was man anzieht und wie man seine Haare machen lässt usw.. Ende April fand es dann endlich statt und es war noch viel besser als ich erwartet hätte. Ich bin mit einer Gruppe von Freunden hingegangen und ich hatte einen unbeschreiblichen Spaß. Zuerst haben wir Bilder zusammen gemacht, dann ist man zum Veranstaltungsort, wo es ein schönes Buffet gab und dann hat man einfach nur noch getanzt. Danach bin ich noch spontan zu einem Lagerfeuer gegangen wo wir einfach noch etwas zusammen gesessen sind.

Es war einfach ein unvergesslicher und toller Abend!

Als wir im März eine Woche Ferien hatten, bin ich mit meiner Gastfamilie nach South Carolina (ein Staat an der Ostküste) nach Myrtle Beach gefahren. Das Wetter war sehr angenehm und dort ist die Landschaft wirklich wunderschön, also es lohnt sich, dort mal hinzugehen!

Ich war auch noch in California, San Diego, bei Freunden meiner deutschen Familie, nachdem die Schule aufgehört hatte. Es war dort nicht so heiß wie ich dachte, da immer ein schöner angenehmer Wind wehte und ich habe meine Zeit dort wirklich genossen. Also war ich mal an jeder Küste und ich muss auch sagen, dass es überall unterschiedlich und auf eigene Weise wunderschön war.
Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich fünf Stunden nach San Diego geflogen bin und immer noch im selben Land war. Unglaublich, wie klein Deutschland ist, verglichen zu den Vereinigten Staaten, oder?

Alle Leute die ich getroffen habe, waren super freundlich und waren sehr aufgeregt, wenn sie herausfanden, dass ich ein Austauschschüler war. Ich bin überrascht, dass ich noch keine Löcher im Bauch habe von all den Fragen, die man mir gestellt hat. Trotzdem habe ich sie versucht so gut und ehrlich wie möglich zu beantworten und denke, das hat auch ganz gut geklappt. „Sprecht ihr Deutsch in Deutschland?“ „ Was für Musik hört ihr an?“ „Wie schauen die Häuser und Autos in Deutschland aus?“ „Habt ihr McDonalds?“ „Was ist eure/deine Sicht zum zweiten Weltkrieg?“ Ich habe es mir ein bisschen zu Aufgabe gemacht, meinen Freunden so viel wie möglich von Deutschland zu erzählen und ihnen ein bisschen deutsche Kultur näher zu bringen.

Natürlich habe ich auch versucht, alles aus der amerikanischen Kultur mitzunehmen. Ich glaube, es ist etwas schwer zu sagen, was die Unterschiede zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Kultur sind, wenn man es nicht selbst gelebt hat. Ich kann nur sagen, dass ich dieses Land als sehr freundlich und offenherzig, aber manchmal auch als etwas oberflächlich und sehr stolz erlebt habe.

Ich bin zwar erst seit drei Wochen wieder zurück, trotzdem vermisse ich meine Familie, Freunde und einfach mein amerikanisches Leben sehr. Nicht, dass es mir hier an irgendetwas fehlt und ich bin auch super glücklich, meine Familie und Freunde wieder zu sehen, aber ich hatte auch einfach eine wahnsinnig tolle Zeit in den USA. Eine mir unbekannte Kultur wurde zum Teil meine eigene, eine Gastfamilie ist jetzt meine Familie, Fremde sind nun meine Freunde, ein anderes Haus ist auch mein Zuhause geworden und die USA meine zweite Heimat. Ich hoffe, sobald wie möglich Michigan einen Besuch abstatten zu können oder Familie/Freunde hier in Deutschland zu empfangen. Deswegen ist bzw. war es kein „Goodbye“ sondern ein „See ya later alligator!“
Amrei Frey und ihre Gastfamilie an ihrem letzten Tag vor dem Haus

Amrei Frey und ihre Gastfamilie an ihrem letzten Tag vor dem Haus

Amreis und ihre beste Freundin Madison bei ihrem erste Footballgame

Amreis und ihre beste Freundin Madison bei ihrem erste Footballgame

Amrei und ihr Gastneffe an Weihnachten

Amrei und ihr Gastneffe an Weihnachten