PPP-Erfahrungsbericht von Ida Mußack 2013

Es ist nicht leicht, ein so ereignisreiches Jahr in nur ein paar Worten zu beschreiben, aber ich werde versuchen, einen kleinen Einblick zu ermöglichen.Dank Herrn Stracke und einem PPP-Stipendium des Deutschen Bundestages wurde es mir ermöglicht, ein Auslandsjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbringen. Somit begann eine Reise, bei der ich eine amerikanische Familie ins Herz geschlossen habe, Freunde fand, die mir hoffentlich ein Leben lang bleiben und wobei ich sehr viel über mich selbst herausgefunden habe.

Ich ging also in ein unbekanntes Land zu fremden Leuten und in eine Kultur, die ich bisher nur vom Hören und aus Filmen kannte. Dort angekommen, tauchte ich in mein „neues Leben“ voll ein und saugte alles wie ein Schwamm auf. Am Anfang ist alles aufregend und neu, wie die Menschen, denen man begegnet, der Sprache, die man spricht, den Kulturunterschieden, die man feststellt und schließlich stand der erste Schultag an einer High School vor der Tür. Dort wurden außergewöhnliche Fächer wie Fotografie und Gewichte stemmen angeboten. Mir hat besonders gut gefallen, dass Musik, Kunst und Sport sehr gefördert werden und ich den school spirit hautnah erleben durfte. Ich selber trat den Cheerleadern und dem Schulchor bei, wofür man sich erst einmal vor den Leitern und Trainern beweisen musste, um aufgenommen zu werden.Mit der Zeit kam ich dann in einen richtigen Rhythmus und der Alltag fing an. Manchen Austauschschülern fällt es in dieser Zeit nicht immer leicht, wenn einem die Familie und Freunde im Heimatland fehlen. Doch ich kann von mir behaupten, eine zweite Familie gefunden zu haben, bei der ich zu einem vollwertigen Familienmitglied wurde. Mit ihnen, Freunden und Austauschschülern aus der ganzen Welt habe ich viel unternommen, so dass nie Langeweile aufkam. Ich reiste nach Washington D.C., Philadelphia, Ocean City, Fort Lauderdale, Miami, Nashville… Ein ganz besonderes Highlight war mein 17. Geburtstag in der aufregenden Weltmetropole New York. Insgesamt war ich in 11 Staaten, worauf ich sehr stolz bin. Jedoch muss man nicht immer die größten Trips unternehmen, denn die spontanen und etwas kleineren sind genauso aufregend und schön. Zum Beispiel war meine Familie mit mir zweimal in den Bergen an einer kleinen Waldhütte campen. Bei der Honigfarm gegenüber muss man dann schon mal mit einem Bären rechnen, doch ich wurde auf den schlimmsten Fall vorbereitet und wusste, wie ich mich verhalten sollte.

Zudem fanden noch Veranstaltungen wie der „Prom“ statt, was der Tanzball am Ende des Schuljahres ist. Dorthin gehen die Mädels in langen Abendkleidern und die jungen Männer in Smokings, um einen ausgelassenen Abend mit viel Spaß und Glamour zu verbringen. Es wird sich schon Wochen vorher darüber unterhalten, wer mit wem dort hingeht, wie der Junge das Mädchen frägt, was man anzieht, welche Frisur man machen lässt, wie das Make-up aussehen soll und wer zusammen in einer Limousine vorfährt. Doch es ist nicht nur für die Mädchen ein großes Ereignis, auch die Jungs können es kaum erwarten, mit ihren Dates auf der Tanzfläche zu sein.Thanksgiving war ein für mich neues und wirklich tolles Erlebnis, bei dem die ganze Familie, wie bei jedem anderen Fest auch, zusammen kam, um zu feiern, wovon ich immer begeistert war. Jeder war am Kochen und mein Gastvater und ich hatten die Ehre, den Turkey (Truthahn) zuzubereiten. Meine bayerischen Spätzle durften natürlich auch nicht fehlen, worüber sich die Familie wieder einmal sehr gefreut hat. Es gab so einige Speisen, die ich noch nie zuvor gegessen habe, wie den leckeren pumpkin pie (Kürbiskuchen), den es als Nachspeise gab. Nicht zu vergessen sind die Feste, wie Christmas und die Tatsache, dass man erst am Morgen des 25. Dezembers die Geschenke und den Strumpf am Kamin auspackt. Wir haben uns dieses Jahr extra einen richtigen Baum gegönnt, der das ganze Haus mit einem weihnachtlichen Duft verzaubert hat.

An Schnee und klirrender Kälte mangelte es diesen Winter auch nicht. Wir an der Ostküste hatten damit ganz schön zu kämpfen. Doch wer hat nicht gerne ein paar Tage schulfrei und verbringt sie mit seinen Freunden bei hot chocolate vor dem warmen Kamin?

Sehr beeindruckt haben mich auch die Gottesdienste in den verschiedenen Kirchen, die sich sehr von denen unterscheiden, die ich bisher aus Deutschland kannte. Meistens besuchten wir eine, die eine gute Stunde von uns entfernt war, was für amerikanische Verhältnisse aber ganz normal ist. Ich war so begeistert, dass die Leute einfach aufstanden, ihre Arme in die Luft rissen und „Thank you Lord“, „Halleluja“ oder „Amen“ riefen. Man konnte den Glauben und die Kraft richtig spüren. Diese unbeschreiblich schöne Erfahrung muss man am eigenen Leib erleben, um zu wissen, wovon man spricht.Von den riesigen Shopping Malls (Einkaufszentren) und den Thriftstores (Second-hand-Läden) war ich sofort begeistert und mit weiblicher Unterstützung meiner Gastmama und –schwestern haben wir die besten Schnäppchen gemacht. Beim Anprobieren der verrücktesten Klamotten, hatten wir immer viel Spaß.

Allen Schülern, die mit dem Gedanken spielen, ein Austauschjahr zu machen, rate ich…wagt es!! Ihr werdet so viel Neues kennenlernen und entdecken, was euch in der Zukunft keiner mehr nehmen kann. Eure Meinungen und Sichten gegenüber bestimmten Dingen werden sich ändern und ihr werdet zu selbstbewussten, offenen und selbstsicheren jungen Erwachsenen heranreifen, die nicht nur eine andere Sprache beherrschen, sondern auch eine fremde Kultur hautnah miterleben können. In einem Urlaub erfährt man nicht annähernd so viel wie in einem solchen Jahr. Wer kann schon behaupten, eine amerikanische Familie und Freunde zu haben? Du, wenn du es wagst und die Herausforderung annimmst, das beste Jahr deines Lebens zu verbringen. Das PPP (Parlamentarisches-Patenschafts-Programm) bietet hierfür eine ideale Gelegenheit, Botschafter zu sein und somit zwei Kulturen einander näher zu bringen.

Ida Mußack mit ihrer Gastfamilie

Ida Mußack mit ihrer Gastfamilie

 Ein ganz besonderes Highlight war Idas 17. Geburtstag, den sie in der aufregenden Weltmetropole New York verbrachte.

Ein ganz besonderes Highlight war Idas 17. Geburtstag, den sie in der aufregenden Weltmetropole New York verbrachte.

Auf dem Weg zum Cheerleader.

Auf dem Weg zum Cheerleader.